memTUI – Aktive Teilhabe für Demenzerkrankte
Matthia Leyendecker
memTUI – Aktive Teilhabe für Demenzerkrankte
memTUI ist ein interaktives System, das gezielt für die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz entwickelt wurde. Ziel des Systems ist es, die Betreuungsarbeit effektiv zu unterstützen und zugleich die aktive Teilhabe von Demenzerkrankten zu fördern und ihr Wohlbefinden zu stärken. Mithilfe des Systems können verschiedene Medieninhalte wie Fotos, Videos oder Musik spielerisch aktiviert und gesteuert werden. Die Art der Interaktion zwischen Nutzenden und Technologie ist dabei ganz besonders: So basiert das System auf einem sogenannten Tangible User Interface, kurz TUI, bei dem physische Objekte genutzt werden, um digitale Inhalte zu steuern. Während das System nur auf die Funktionalität der Medienwiedergabe abzielt, bilden die Interaktionsobjekte in Form eines Dodekaeders, einer Art zwölfseitigen Würfel in der Größe eines Tennisballs, den zentralen Bestandteil von memTUI. Jede Seite des Objekts kann mit einem anderen Medium verknüpft werden. Durch Auflegen des Objekts auf das System wird das Medium, das mit der nach unten zeigenden Fläche verknüpft ist, automatisch abgespielt. Ein Entfernen des Objekts stoppt die Wiedergabe. Wird das Objekt auf eine andere Seite gedreht, so startet der entsprechende Medieninhalt.
Die Interaktion ist so einfach und anpassbar konzipiert, dass das System von Demenzerkrankten selbst genutzt werden kann. Dabei kann memTUI flexibel an individuelle Bedürfnisse angepasst werden: Es kann beruhigende Inhalte für unruhige Phasen bereitstellen oder aber aktivierende Medien, um soziale Interaktionen oder Erinnerungsprozesse zu fördern. Das bietet Betreuungskräften die notwendige Flexibilität, um individuell auf die Bewohner einzugehen, verschiedene Bedürfnisse und Sinne zu adressieren und dabei eine Balance zwischen ausreichender Aktivierung und Überstimulation zu finden. Individuell gestaltete Interaktionsobjekte ermöglichen, dass jeder Betroffene einen ganz persönlichen Zugang und somit einen Schlüssel zu den eigenen Erinnerungen hat, auf die in der Erkrankung oftmals allein nicht mehr zugegriffen werden kann. So wird Betroffenen, die sich selbst meist nur noch schwer ausdrücken können, eine Stimme und letztlich ein Gefühl von Kontrolle, Erfolg und Kompetenz gegeben, das sie oft im Alltag nicht mehr verspüren. Durch die gezielte Auswahl von Inhalten wird die Identität der Erkrankten gestärkt, indem persönliche Erinnerungen aktiviert und emotionale Verbindungen geschaffen werden.
Neben den positiven Effekten für die Betroffenen bietet memTUI auch einen hohen Mehrwert für Betreuungskräfte. Da sich insbesondere der Zugang zu Erkrankten oftmals schwierig gestaltet, dient das System als therapeutisches Werkzeug, um in gemeinsame Interaktion zu treten. Dabei wird der Fokus daraufgelegt, Betroffenen eine aktive Rolle in der Betreuung zu geben und ihre verbliebenen Fähigkeiten zu fördern, anstatt sich auf deren Einschränkungen zu konzentrieren.
Über Matthia Leyendecker
Ich bin Matthia, 29 Jahre alt und komme ursprünglich aus Düsseldorf. Nach dem Abitur habe ich den Bachelor Holzingenieurwesen studiert, der mich über ein Praxissemester nach Oberfranken verschlagen hat. Während meiner Bachelorarbeit habe ich erste Berührungspunkte mit einer neuen Disziplin, Softwareergonomie/User Experience Design, gesammelt. Die Faszination am Thema und das Bestreben, immer über den Tellerrand hinaus schauen zu wollen, brachte mich dazu, noch einen Master in ZukunftsDesign sowie einen Bachelor in UX Design zu absolvieren. Parallel dazu habe ich weitere Berufserfahrung gesammelt. Die Mischung aus ingenieurwissenschaftlichem Hintergrund, menschzentrierter Gestaltung und der Auseinandersetzung mit zukunftsweisenden Entwicklungen ermöglicht mir, Probleme aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und innovative Lösungen zu entwickeln. Mein Ziel ist es, Lösungen für gesellschaftlich relevante Herausforderungen zu finden und dabei Design und Technologie so zu nutzen, dass sie den Menschen in den Mittelpunkt stellen und ihm assistieren. Mein eingereichtes Projekt ist Ausdruck dieser Überzeugung. Mir war es besonders wichtig, eine Lösung zu entwickeln, die nicht nur funktional ist, sondern gezielt auf die Bedürfnisse einer besonderen Zielgruppe eingeht, die oftmals vergessen wird.
Portrait
Branche: Gesundheit
Hauptsitz: Weitramsdorf